Wir stehen in einem Mischwald, 40 Meter über der Aare und betrachten einen 1 m mächtigen Boden, der aus Lehm und einigen gerundeten Steinen besteht. Der humose Oberboden (Ah) weist etwas dunklere Farben auf, vor allem gegenüber dem darunterliegenden gelbbraunen mineralischen Horizont (AE). Unterhalb eines halben Meters wird es rötlicher und toniger (It). Unter dem Boden sehen wir die grauen Aareschotter, teils mit Kalkbelägen an den Unterseiten der Steine (Ck).

Bodenaufbau
Der Boden hat einen durch ca. 5 % organische Substanz dunkel gefärbten Oberboden. Ab 10 cm Profiltiefe dominieren gelbbraune bis rotbraune Farben. Besonders auffällig ist der höhere Anteil von Ton (ca. 25 %) im rötlicheren unteren Teil des Bodens. Der Boden ist sehr sauer (pH: 4–4,5) und kalkfrei. Der Übergang in die kalkhaltigen, basischen Aareschotter in 1 Meter Tiefe ist recht deutlich.

Bodenbildung
Das Profil ist in Aufbau und Entstehung mit dem Bodenprofil EH3 vergleichbar. Die hellere Farbe des Oberbodens lässt sich durch einen dauerhaft höheren Anteil an Laubbäumen erklären, deren Blätter leicht abbaubar (mineralisierbar) sind. Die gelb- bis rotbraunen Farben im humusarmen Unterboden werden durch verschiedene Eisenoxide (Rost) hervorgerufen. Der Tongehaltsanstieg nach unten hin resultiert aus dem Prozess der Tonverlagerung, welcher tausende Jahre dauert und kennzeichnend für den Bodentyp Parabraunerde ist. Mittlerweile ist der Boden stark versauert (pH-Wert < 5), so dass Tonverlagerung aktuell nicht mehr stattfindet. Dieser Boden hat sich aus kalkhaltigen Schottern der Aare gebildet, die nach dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor ca. 18‘000 Jahren abgelagert wurden. Die teils grossen Gesteinsbrocken zeigen, dass die Aare in der ausgehenden Eiszeit nahe des Gletschers sehr turbulent und kraftvoll strömte. Nach der Ablagerung der Schotter hat sich hier durch Hochwasser und Stürme noch etwas Feinmaterial abgelagert bevor unter dem aufkommenden Wald die Bodenbildung begann.
Bodennutzung
Lehmige Böden gewährleisten eine gute Wasserversorgung. Allerdings sind hohe Anteile von Grobmaterial (Kiesel und Steine) nachteilig, weil sie keinen Wurzelraum und Wasserspeicher bieten. Hohe Tongehalte im Unterboden können zu Staunässe und zur Bildung von Rostflecken führen. Der hohe Anteil an Sand- und Grobmaterial wirkt jedoch einer Vernässung entgegen. Parabraunerden gehören zu den fruchtbarsten Böden der Schweiz.
