Bodenbildung
In Landschaften mit geschlossener Vegetationsdecke bilden sich durch verschiedenste Prozesse und über lange Zeiträume hinweg Böden. Die Humusbildung steht am Beginn der Bodenbildung. Damit aus Festgestein Boden wird muss dieses über viele tausend Jahre verwittern. Es ist ein Glücksfall, dass in der Schweiz während der Eiszeit viel Verwitterungsschutt gebildet und abgelagert wurde. In den mächtigen kalkhaltigen Ablagerungen rings um Bern konnten sich daher in relativ kurzer Zeit häufig über 1 m mächtige Böden entwickeln. Die Tiefenentwicklung des Bodens wird durch die Wühltätigkeit von Lebewesen unterstützt (Bioturbation).
Durch die hohen Niederschläge begünstigt, setzte nach mehreren hundert Jahren eine langsame Auswaschung des Kalks aus den oberen Schichten ein. Mit der Entfernung des Kalks sinkt der pH-Wert des Bodens unter den Neutralpunkt (= pH-Wert 7) ab – der Boden versauert. Im schwach sauren Bodenmilieu nimmt die Verwitterungsintensität zu. Es entstehen Eisenoxide, welche den Boden braun färben (Verbraunung) und plastisch formbare Tonminerale, die dem Boden eine lehmige Konsistenz verleihen (Verlehmung).

In Böden aus kalkhaltigen Ablagerungen findet noch ein weiterer, besonderer Prozess statt: die Verlagerung von Ton vom Ober- in den Unterboden (Tonverlagerung). Als Ton werden mineralische Bodenbestandteile die kleiner als 0,002 mm sind bezeichnet. Mit der Entfernung von basischen Ionen verlieren die Tonmineralien ihren Zusammenhalt und können in kleinste Fragmente zerlegt in Wurzelgängen und Poren durch Wasser abwärts gespült werden. An physikalischen und chemischen Hindernissen sammeln sich die Tonmineralien wieder an.
Bei intensiver Tonverlagerung können im Unterboden die Poren verstopfen, was zu Wasserstau und Sauerstoffmangel führen kann. An anderen Standorten geht die Versauerung jedoch so schnell von statten, dass die Tonverlagerung (optimal bei pH-Werten zwischen 5,5 und 6,5) früher endet. In der Schweiz sind viele Parabraunerden aus Moränenmaterial nur schwach ausgeprägt, weil durch die hohen Jahresniederschläge eine schnelle Versauerung begünstigt war.
Bodenklassifikation
Mit fortschreitender Bodenentwicklung lassen sich Bodenbereiche mit ähnlichem Aufbau voneinander unterscheiden. Bereiche mit ähnlichen Eigenschaften werden als Horizonte bezeichnet. In der Schweizer Bodenklassifikation (3. Auflage 2010) werden die Haupthorizonte mit folgenden Grossbuchstaben bezeichnet (Auswahl):
O Organische Auflage
A Organo-mineralischer Oberboden
B Unterboden (vor allem mineralisch)
C Ausgangsmaterial / Untergrund
E Auswaschungshorizont (eluvial)
I Einwaschungshorizont (illuvial)
R Felsunterlage
Die Horizontsymbole können kombiniert werden, wobei der dominierende hinter dem untergeordneten steht (z.B. BC hat eher C-Charakteristik und eine geringere B-Charakteristik). Die Haupthorizonte können mittels Kleinbuchstaben präzisiert werden:
l Streuezone (Litter)
f Vermoderungszone (Förna)
h Humusstoffzone
p gepflügter Oberboden
k Kalkanreicherung
t Tonanreicherung
q Quarzreicher Rückstand
y Künstlich aufgebrachte Schicht
Daneben gibt es noch weitere Symbole:
( ) sehr schwache Ausprägung
[ ] stellenweise vorhanden
II, III… geologischer Schichtwechsel (I wird nicht vergeben!)
Legende zu den Profilzeichnungen

